Medikationsmanagement

Osteoporose-Medikamente im Alter

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 „Diese Stille ist mein Anker für Sie – denn Osteoporose ist der stille Killer.“ Damit machte Dr. Kirsten Menke eindrucksvoll auf die tückische Natur dieser Erkrankung aufmerksam, die lange Zeit unbemerkt fortschreitet. Bis heute werden mehr als 75 % der Osteoporose-Fälle zu spät oder gar nicht diagnostiziert.

Risikogruppen erkennen

Besonders Frauen nach der Menopause sind betroffen, da der Östrogenmangel den Knochenabbau begünstigt. Bei Männern tritt Osteoporose oft sekundär infolge chronischer Erkrankungen wie rheumatoider Arthritis oder endokrinen Störungen auf. Zusätzlich erhöhen Faktoren wie Langzeit-Cortisontherapie (kritisch sind bereits 5 mg über drei Monate), Untergewicht, Alkoholabusus und Bewegungsmangel das Risiko. Die Identifikation dieser Risikopatient:innen ist ein wichtiges Handlungsfeld für Apotheker:innen, betonte die Expertin. Die Folgen unbehandelter Osteoporose beschränken sich nicht auf das reine Frakturrisiko. „Die psychosozialen Konsequenzen sind massiv“, erläuterte Menke. Chronische Schmerzen, Sturzangst, soziale Isolation und der Verlust der Selbstständigkeit sind häufige Begleiterscheinungen.

Prävention: bereits In der Jugend beginnen

Ein stabiles Skelett entsteht bereits in jungen Jahren. „Unsere Peak Bone Mass erreichen wir mit 30 Jahren, daher ist eine frühzeitige Prävention essenziell“, so Menke. Wichtige Weichen für die Knochengesundheit werden schon in der Jugend gestellt. Besonders zwischen dem 10. und 15. Lebensjahr sind eine ausreichende Versorgung mit Calcium (1.000 mg/d) und Vitamin D (800–1.000 I.E./d)  sowie sportliche Aktivität entscheidend. Auch eine ausreichende Zufuhr von Proteinen (min. 1 g/kg Körpergewicht/Tag) spielt eine wichtige Rolle – insbesondere bei älteren Menschen.

Medikamentöse Therapien & pharmazeutische Beratung

Die medikamentöse Therapie unterteilt sich in antiresorptive und osteoanabole Substanzen.

Antiresorptive Medikamente
(hemmen den Knochenabbau)

Bisphosphonate (Alendronat, Risedronat, Zoledronat)
Einnahmehinweise: Morgens nüchtern mit mindestens 200 ml Leitungswasser (kein Mineralwasser wegen Komplexbildung), 30–60 Minuten aufrechte Körperhaltung, Zeitabstand zu anderen Medikamenten oder Nahrung von mindestens 30–60 Minuten. Äußerst geringe Bioverfügbarkeit (0,5–0,7 %), daher auf exakte Einnahme achten 
Unterschiedliche Dosierungsintervalle beachten: z. B. Alendronat 70 mg und Risedronat 35 mg wöchentlich; Risedronat 75 mg monatlich an zwei aufeinanderfolgenden Tagen 
Therapiedauer: Nach 3 Jahren (Zoledronat) bzw. 5 Jahren (andere) Reevaluation – Möglichkeit eines „Drug Holiday“ bei gesunkenem Risiko.

Denosumab

Lagerung: Im Kühlschrank (2–8 °C), vor Licht geschützt 
Anwendung: 60 mg s.c. alle 6 Monate durch medizinisches Fachpersonal 
Wichtiger Beratungspunkt: Keine eigenständige Therapieunterbrechung, da sonst das Frakturrisiko sprunghaft steigt (Rebound-Effekt). 
Verträglichkeit: Vorteilhaftes Nebenwirkungsprofil, aber lokale Hautreaktionen sind möglich und sehr selten Kiefernekrosen

Osteoanabole Medikamente
(fördern den Knochenaufbau)

PTH-Analoga (Teriparatid, Abaloparatid)
Lagerung: Teriparatid im Kühlschrank, Abaloparatid bis zu 30 Tage bei Raumtemperatur (RT)
Anwendung: Tägliche Subkutaninjektion durch die Patient:innen
Therapiedauer: Limitiert auf 18–24 Monate

Romosozumab

Besonderheit: Sklerostin-Antikörper mit dualem Effekt – stimuliert Osteoblasten und hemmt Osteoklasten. Geeignet für Patient:innen mit sehr hohem Frakturrisiko.
Anwendung: 210 mg monatlich als zwei separate 105 mg-Injektionen an unterschiedlichen Körperstellen
Lagerung: Bei 2–8°C; vor Gebrauch 30 Minuten auf RT erwärmen

Nach Abschluss einer osteoanabolen Therapie ist eine antiresorptive Folgebehandlung zwingend erforderlich, um den aufgebauten Knochen zu erhalten. 

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