Rheumatoide Arthritis

Medikationsmanagement und pharmazeutische Betreuung

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Da geschädigter Knorpel irreparabel ist, spielt der Zeitfaktor bei der Diagnosestellung eine entscheidende Rolle. „Apotheker:innen als Erstanlaufstelle können durch aufmerksame Beobachtung und frühzeitige Überweisung zu Rheumatolog:innen wesentlich dazu beitragen, Gelenkschäden zu verhindern“, betonte Kienreich.

Vor Therapiebeginn: Impfstatus checken

Die Wartezeit bis zur fachärztlichen Abklärung sollte für einen Impfpasscheck und fehlende Impfungen genutzt werden. Der ideale Zeitpunkt für Impfungen ist vor Therapiebeginn, da unter Immunsuppression Lebendimpfstoffe kontraindiziert sind und die Impfantwort bei Totimpfstoffen abgeschwächt sein kann. Dies hat besondere Relevanz für die Reiseplanung, da Länder mit Gelbfieberimpfpflicht für diese Patientengruppe ungeeignet sind.

Europäische Therapieempfehlungen


Die EULAR empfiehlt nach Diagnosestellung einen sofortigen Therapiebeginn mit Methotrexat (MTX) und Folsäure. Da MTX kaum analgetisch und antiphlogistisch wirkt, wird initial zusätzlich ein Glucocorticoid (GC) für maximal 6 Monate eingesetzt. Bei unzureichendem Ansprechen auf konventionelle DMARD folgt der Übergang zu Biologika oder JAK-Inhibitoren. Diese greifen gezielter in den Entzündungsprozess ein, wirken schneller, erhöhen jedoch das Infektionsrisiko.

MTX: Sicherer Umgang in der Niedrigdosistherapie

Besondere Aufmerksamkeit sollte der korrekten Anwendung von MTX gewidmet werden. „Ich habe es mir zur Gewohnheit gemacht, Patient:innen beim Einlösen eines Methotrexat-Rezepts zu fragen, an welchem Wochentag sie ihr Medikament einnehmen“, berichtete Kienreich. Diese simple Frage offenbart oft Anwendungsfehler. Die Standarddosierung beträgt 10–20 mg einmal wöchentlich und ist idealerweise abends mit viel Flüssigkeit einzunehmen. Viele Patient:innen sind zudem verunsichert, weil MTX auch als Zytostatikum eingesetzt wird. „In der Rheumatologie wird MTX lediglich in einem Tausendstel der in der Onkologie üblichen Dosierung eingesetzt“, erklärte Kienreich. In der Niedrigdosis wirkt es entzündungshemmend und hat nicht die zytotoxischen Effekte der onkologischen Hochdosistherapie.

Umgang mit Fertigpens und Fertigspritzen

Bei Fertigspritzen und Pens treten häufig Anwendungsprobleme auf. Kienreich wünscht sich bessere Rahmenbedingungen für eine erweiterte Einweisung in die korrekte Arzneimittelanwendung, was sowohl rechtliche Grundlagen als auch finanzielle Honorierung erfordern würde. Einige Pharma-Firmen bieten sehr umfassendes Infomaterial für Patient:innen an.


Therapieadhärenz fördern 

Auf die häufige Frage von Patient:innen: „Bringt das überhaupt etwas? Ich bekomm schon wieder was Neues“, antwortet die Pharmazeutin gerne so: „Die Erkrankung ist heimtückisch und sucht sich neue Schlupfwinkel aus. Nicht jede Therapie spricht bei jedem an, aber wir haben heute viele wirksame Optionen.“ Aufklärung sei hier enorm wichtig, um den Patient:innen Mut zu machen und die Therapietreue zu fördern. Auch vom selbsttätigen Absetzen einer Medikation riet Kienreich dringend ab, da bei der Mehrheit nach dem Absetzen ein Schub auftrete.

Infektionsprävention

Vor Beginn einer immunsuppresiven Therapie ist ein Test auf latente Tuberkulose obligatorisch, da die Behandlung eine Reaktivierung auslösen kann. Bei positivem Befund ist eine präventive Therapie, meist mit Rifampicin für vier Monate, erforderlich (Medikationsanalyse dringend zu empfehlen).   
TAke-Home-Messages 
• Apotheker:innen können durch frühzeitige Intervention maßgeblich dazu beitragen, irreversible Gelenkschäden zu verhindern.
• Die korrekte Anwendung von MTX (1 x wöchentlich) muss bei jeder Abgabe sichergestellt werden.
• Therapietreue ist entscheidend – auch in Remission dürfen Biologika nicht eigenmächtig abgesetzt werden.

Text: Mag. pharm. Heike Kienreich
Apotheke der Barmherzigen Brüder Graz

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