
Besonders die juvenile idiopathische Arthritis (JIA) stellt mit ihrer Komplexität spezielle Anforderungen an die multidisziplinäre Versorgung.
Vielfältige Manifestationen der JIA
In Österreich leiden etwa 3.000 Kinder und Jugendliche an rheumatischen Erkrankungen. Die JIA macht mit 56 % den größten Anteil aus und betrifft etwa 100 von 100.000 Kindern. Nach der ILAR-Klassifikation wird die JIA definiert als Arthritis, die länger als sechs Wochen besteht, vor dem 16. Lebensjahr auftritt und deren Ursache unbekannt ist. „Die JIA ist kein einheitliches Krankheitsbild. Unter diesem Begriff verbergen sich sieben verschiedene Formen mit unterschiedlicher Äthiopathogenese, Prognose und Therapieoptionen“, betonte Skrabl-Baumgartner. Die Subtypen werden nach der Anzahl betroffener Gelenke, bestimmten Laborparametern und Komorbiditäten unterschieden.
Uveitis als Komplikation
Eine besondere Herausforderung stellt die Uveitis dar, die bei etwa 25 % der Kinder mit Oligoarthritis auftritt. „Diese Patient:innen haben das höchste Risiko für eine Uveitis. Früher war es das Schicksal dieser Kinder, dass sie nicht an den Gelenken das große Problem hatten, sondern an den Augen. Trotz unserer heutigen Möglichkeiten gibt es immer noch eine potenzielle Erblindungsgefahr“, warnte die Expertin. Problematisch ist, dass die Uveitis äußerlich nicht erkennbar ist – die Kinder haben weder Schmerzen noch vermehrten Tränenfluss. Daher sind regelmäßige augenärztliche Kontrollen mit der Spaltlampe unerlässlich.
Eine weitere Besonderheit ist die Kiefergelenksbeteiligung, die bei einem Viertel der JIA-Patient:innen auftritt und unbehandelt zu Wachstumsstörungen des Unterkiefers führen kann.
Medikamentöse Behandlung
Die Therapie der JIA erfolgt multimodal mit dem Ziel einer raschen und effektiven Entzündungskontrolle. „Wir verfolgen ein Treat-to-Target-Prinzip. Die Remission sollte nach spätestens 12 Monaten erreicht werden“, erklärte Skrabl-Baumgartner.
Die medikamentöse Therapie folgt einem Stufenprinzip:
NSAR: Naproxen (10–15 mg/kg/d) ist bei Kindern ab 2 Jahren zugelassen, gut verträglich und wegen seiner langen Halbwertszeit besonders praktikabel. „Kinder brauchen prinzipiell zu Beginn keinen Magenschutz, wir empfehlen aber die NSAR-Einnahme immer gemeinsam mit einer Mahlzeit“, so die Referentin.
Intraartikuläre Steroide: Hocheffektiv bei einzelnen betroffenen Gelenken, meist unter Kurznarkose verabreicht
Systemische Steroide: Werden möglichst niedrig dosiert und kurzzeitig eingesetzt
Basistherapeutika (DMARD):
MTX ist der Goldstandard (10–15 mg/m2 KOF/Woche). „MTX kann auch oral verabreicht werden. Wenn die kleinen Patient:innen Probleme mit dem Tablettenschlucken haben, erlauben wir die orale Einnahme der Spritzlösung mit Fruchtsaft“, berichtete Skrabl-Baumgartner.
Biologika: Seit dem Jahr 2000 steht Etanercept zur Verfügung, seither wurden weitere TNF-alpha-Blocker, IL-Blocker sowie JAK-Inhibitoren zugelassen. „Die Kombination von MTX mit Biologika zeigt eine bessere Wirkung, da wir weniger neutralisierende Antikörper haben“, erläuterte die Expertin.
Zu den neuesten Behandlungsoptionen gehören JAK-Inhibitoren (Tofacitinib, Baricitinib) und Anti-IL-17-Antikörper (Secukinumab). Baricitinib ist seit 2021 für aktive polyartikuläre JIA ab 2 Jahren zugelassen, wenn DMARD nicht ausreichend wirksam waren.
Take-Home-Messages
• Naproxen ist das bevorzugte NSAR bei Kindern mit JIA – es ist als Saft verfügbar und wird nur 2 x täglich dosiert.
• MTX sollte vorzugsweise abends vor dem Schlafengehen verabreicht werden, da dadurch 8–10 Stunden potenzieller Nebenwirkungen im Schlaf überbrückt werden. Bei Schluckproblemen kann die Spritzlösung mit Orangensaft gemischt werden.
• Für die Patientenaufklärung stehen auf der Website der Gesellschaft für Kinder- und Jugendrheumatologie (www.gkjr.de) detaillierte Informationsmaterialien und Aufklärungsbögen zur Verfügung.
Text: Priv.-Doz. Dr. Andrea Skrabl-Baumgartner
Universitätsklinik für Kinder- und Jugendheilkunde Graz